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Die Ausrede

 

(Eine junge Friseurin auf dem Weg zu Fuß zur Arbeit, im Gehen spricht sie mit jemand)

 

Ich hab' verschlafen! So ein Mist! Bin ganz benommen!

Wann bin ich eigentlich - und wie - nach Haus gekommen? ...

Naja - egal. Passiert schon mal.

Ich bin zwar blond, jedoch nicht blöd und oberflächlich.

Mein Haar - gefärbt, man glaubt es kaum, nicht? Doch tatsächlich!

Bin durchgestylt vom Kopf bis zu den Zehen,

auf meinen High Heels kann ich richtig sexy gehen!

Meine Klamotten - alles Marke - nix mit billig!

Designersachen find ich schick - und nur die will ich!

 

Die neue Freundin meines Bruders sagte gestern,

"über so welche Weiber" wie ich bin, "tut man viel lästern"!!

Völlig daneben, diese primitive Torte!

Unglaublich, denn da fehlten sogar mir die Worte!

Warum nur hat mein Bruder diese Tante

mit zu uns heim gebracht, wo er sie doch kaum kannte?!

Die hat sich ja nur deshalb gut benommen,

um ihn als festen Freund auf Dauer zu bekommen  ...

                              Er hat echt Geld, spart viel, genau wie ich - wir wohnen zuhause.

Das ist voll praktisch - Mutter macht - wir geh‘ n "auf Sause".

Oh, nun wird's aber höchste Zeit!

Da hilft nur eins: Gelassenheit.

Ich bin zu spät, ich weiß – und wie!

Darum, ganz klar, erfind' ich sie:

Die Ausrede!

 

Für mich ist's weder Schand‘ noch Qual,

es ist ja nicht das erste Mal ...

(die junge Frau betritt den Friseur-Salon)

 

Na denn:

Tief durchgeatmet und getan, wie selbstverständlich.

Ah ja - JETZT sieht die Chefin mich! Wurd' Zeit! Na endlich!

 

(an die Chefin gewandt:)

„Ich kann heut' wirklich nichts dafür - sondern mein Bruder ...

na, dessen Freundin - dieses vollbusige Luder!

Die war und blieb im Bad, als wollte sie's besetzen!

Ich konnt' nicht Zähne putzen – nichts! Sie sprach von Hetzen!

Unendliche Minuten musst' ich warten,

erst dann konnt ich die Körperpflege starten.

Sie müssen einseh'n, eine Dusche, die ist wichtig!

Auch Haare stylen - unverzichtbar, also richtig.

Als ich ein saub'res Handtuch suchte, fand ich keines!

Die blöde Freundin meines Bruders rief: Nimm meines!

Ich hätt' sie schlagen mögen, diese blonde Ziege.

Nur die ist schuld, dass ich im Zeitplan hinten liege.

Sie bot mir Müsli an - 'ne eklig graue Pampe!

Das war doch Absicht von der, dieser dummen Schlampe!

Hab' nichts gegessen, trank nur schnell Kaffee im Gehen,

die Eile nützte nichts, wie Sie ja selber sehen!

Den Bus verpasste ich um grade drei Minuten

- da musst' ich laufen und mich ganz gehörig sputen!

Also – gewiss, es tut mir leid, ich geb' mir Mühe.

In Zukunft piept mein Wecker um halb sechs Uhr in der Frühe.

Versprochen. Hand auf's Herz – ich besser' mich!“

(zu sich, in Gedanken:)

Sie lächelt!

Puh! Glück gehabt! Ich dachte, mein “Quatsch schwächelt“…

 

Jetzt geht die Tür auf und beschwingt betritt den Laden ... ?!

Die dumme Schnepfe!? Meine Coolness geht gleich baden!

 

Schon legt sie ihren Arm um mich, drückt fester,

und sagt: „Schau Mama, dies ist von mein Freund sein Schwester!“

Die Chefin, ganz erstarrt, ihr Blick von schlimmster Sorte …

Okay, der sagt mir mehr als hunderttausend Worte!

Ich zisch jetzt ab, bevor die anfang‘ n rumzuzicken …

Was motzt die Chefin? „Lass dich hier nie wieder blicken?!“

Voll dumm gelaufen, Mann! Ich könnte dauernd fluchen!

Jetzt kann ich mir schon wieder neue Arbeit suchen!