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Familie „Holzwurm“

(„Holzwurm“ nennt der Volksmund die Larven des Nagekäfers)

 

Ein Nagekäfer, Fritz sein Name,

verlobte sich mit einer Dame,

Ann-Katharina, die schon immer

beim Türblatt hauste – selbes Zimmer!

 

Das junge Paar zog aus und um:

Musikzimmer. Harmonium.

Dort hat es, wie es sich gehört,

ganz fröhlich, fleißig sich vermehrt.

 

Ann-Katharina fand in Schrägen

auch Rill‘n, um Eier abzulegen,

aus denen hübsche Larven wuchsen!

Man hörte sie vergnüglich glucksen!

 

Ja, Käferlarven sind gefräßig!

Auch diese fraßen übermäßig!

Durchlöchert war, oh, welche Schand‘,

nach Wochen schon die Hinterwand

 

vom teuren Tasteninstrument,

das man Harmonium nur nennt.

Auf Seitenwände ganz versessen,

waren auch diese flugs zerfressen.

 

Die Hausfrau sah sie mit Erschrecken:

Die Holzmehlhäufchen in den Ecken.

Die Fußpedale - auch betroffen!

Entsetzt stand ihr der Mund weit offen …

 

Schon wollte sie Vernichtung wagen!

Den Larven ging es an den Kragen!

Die Löcher wurden dichtgeschmiert.

„Ihr Plagegeister! Los, krepiert!“

 

Ganz unbeeindruckt von dem Treiben,

entschied man sich, doch noch zu bleiben.

Das harte Kernholz war nun dran,

dass diese Art gut fressen kann.

 

Vom Holzbock, der viel größer ist,

sind Beißwerkzeuge bloßer Mist.

Für den ist Kernholz gar nicht lecker.

Ja, so verschieden sind Geschmäcker.

 

Die Holzwürmer – man nennt sie so,

aßen vergnügt und lebensfroh

noch weiter, bis die Hausfrau plärrte

und mit Chemiekeule sich wehrte!

 

Das Zimmer stank! Es war ein Graus!

Die Larven nahmen flugs Reißaus!

Gerettet das Harmonium!

Schnell zog man in die Stube um …

 

Dort stand aus Kirschholz, imposant,

eine Vitrine an der Wand!

Ein Möbelstück so schmackhaft, fein,

das sollte neuer Wohnsitz sein.

 

Die Hausfrau sich zu helfen wusste:

Der Kammerjäger kommen musste.

Der blies mit seinem Gift – oh, Graus -

ein jedes Holzwurmleben aus.