a.                                                   Weinbergschnecke Carlotta


In des Waldes tiefem Grunde

kriecht Carlotta ihre Runde

jeden Morgen um halb zehn.

Sie übt alle Schneckenpfade

- hohe, steile, krumme, grade –

und sie findet alle schön!

 

Messen sich die Weinbergschnecken

auf beliebten Schleimspurstrecken

- wettkriechend - wie jedes Jahr,

sieht man auch Carlotta eilen,

ohne einmal zu verweilen!

Sie ist stets der „Wettkriech-Star“!

 

Carlotta nennt sich auch Carl-Otto!

Das ist kein Scherz, kein Schimpf, kein Motto -

es ist bei Weinbergschnecken Brauch.

Sie sind doch von Natur aus Zwitter!

Ja, das erscheint wohl manchem bitter,

jedoch - sehr praktisch ist es auch!

 

In des Waldes tiefem Grunde

sieht man oft, zur Abendstunde,

wie aus zahlreichen Verstecken,

schleichend, schleimend Schnecken kommen.

Und wie manche, ganz benommen, 

langsam ihre Fühler recken.

 

Carlotta kann gut sehen, riechen,

und vortrefflich vorwärts kriechen

- ganz auf Weinbergschneckenweise.

Sie kann fühlen und auch schmecken.

Hörend kann sie nichts entdecken –

taubstumm zieht sie ihre Kreise.

 

(Drum sind Schnecken auch so leise!)