p.                                                 Nie die Frage …

(die Flucht)

 

Taumelnd in die Knie gegangen,

fiel sie vor Erschöpfung um,

lag geschwächt, vom Tod umfangen,

neben sich nur starre Leiber,

lebloser, verdorrter Weiber,

und ihr Mund blieb kraftlos stumm.

 

 

Fürchtete nicht mehr das Sterben,

sehnte sich nach Frieden bloß.

Was gewesen, lag in Scherben.

Zukunft – ein verlorenes Hoffen.

Ihre Seele war schon offen

für das unabwendbar‘ Los.

 

 

Aus den Massen, die noch wankend

und entkräftet weiterzogen,

nahte sich, dem Himmel dankend,

eine dürre Frauengestalt.

Ihre Schwester (!), krumm und alt,

die als Einz‘ge ihr gewogen!

 

 


Und schon zerrten klamme Hände

mühevoll an ihrem Arm.

Doch die Kräfte gingen zu Ende.

Liebevolle Worte raunen

hörte sie die Schwester. Staunen ...

ihr wurd himmlisch wohl und warm.

 

 

Ohne letzten Hoffnungsschimmer,

weinend tief im Herzen nur,

flüsternd: "Ich bleib hier - für immer",

blieb die alte Schwester dort.

Floh nicht weiter von dem Ort.

Dann verlor sich ihre Spur.

 

 

Überlebende berichten,

von den Gräueln jener Tage.

Von Verbrechen, vom Vernichten

und von unfassbarem Leiden.

Konnte niemand es vermeiden?

Doch – nur, das war nie die Frage …